[Bus 5] MAN/Göppel 890 UG M 16 A



MAN/Göppel 890 UG M 16 A


Erstzulassung
05.11.1965
Im OCM seit
17.06.1989
Kilometerstand bei Übernahme
ca. 590.000
Vorbesitzer
Stadtwerke München (Wagen 145); Privatunternehmer in Hessen
Motortyp
MAN D 2156 HMXU (Original MAN D 2146 HM1U)
Leistung
192 PS
Höchstgeschwindigkeit
61 km/h
Getriebe
Voith DIWABUS (2-Gang Automatik)
Länge
16,60 m
Breite
2,50 m
Höhe
3,10 m
Sitz-/Stehplätze
45/127
Leergewicht
11,9 t
Fahrgestellnummer
893-495


Mit Fertigstellung des MAN / Göppel 890 UG M 16 A aus dem Jahr 1965 geht ein in Deutschland wohl einmaliges Projekt zu Ende: der Verein „1. Oldtimer-Club Erfurt e.V.“ restaurierte den Bus, der dem „Omnibus-Club München e.V.“ (OCM) gehört, vier Jahre lang und versetzte das Fahrzeug wieder in einen mehr als ansehbaren Zustand zurück. Die Mitglieder des Erfurter Vereins haben diese Arbeiten professionell und zu einem großen Teil ehrenamtlich durchgeführt und das Projekt somit erst ermöglicht. Die dennoch anfallenden Kosten, die für den OCM immer noch immens hoch waren, wurden dem Münchner Verein vorfinanziert – und zwar wiederum von keinem Geringeren als Herrn Dr. Konrad Auwärter! Außerdem kam vom Hersteller des Nachläufers, der Göppel Bus GmbH aus Augsburg, eine großzügige Spende für diesen ältesten MAN / Göppel-Gelenkbus.

Doch zur Vorgeschichte:

Im Juni 1988 bekam der OCM von einem Busfreund aus Wiesbaden den Hinweis, dass in der Gegend von Marburg a.d. Lahn (Hessen) noch ein ehemaliger „Metrogelenkbus“ der Stadtwerke München im Einsatz sei. Die Baureihe „Metrobus“ von MAN prägte in den 60er- und 70er-Jahren das Stadtbild Münchens, vom Typ 890 UG M 16 A standen zwischen 1964/65 und 1975/76 insgesamt 44 Fahrzeuge im Einsatz, der letzte wurde erst 1978 ausgemustert. Nur wenige wurden nach ihrer Ausmusterung allerdings verkauft und versahen noch einige Zeit ihren Dienst mehr oder weniger weit von ihrer Heimat entfernt, die meisten wurden nach ihrem Ausscheiden aus dem Bestand der Stadtwerke München verschrottet – dass bis ins Jahr 1988 ein Exemplar „überlebt“ hatte und sogar noch im Einsatz stand, war bis dato nicht bekannt.

Der OCM bewies schon damals Weitsicht und erwarb diesen einzigartigen Omnibus im Juni 1989 – den letzten existierenden Vertreter seines Typs und den ältesten erhaltenen MAN / Göppel-Gelenkbus. Aufgrund eines Motorschadens musste noch in Marburg ein entsprechendes Tauschaggregat eingebaut werden. Der OCM kaufte zu diesem Zweck eigens einen (moderneren) Bus mit passendem Motor. Der Umbau des Motors wurde dann von der MAN Nutzfahrzeuge AG kostenlos durchgeführt, um die Erhaltung dieses Busses zu unterstützen.

Aber nicht nur der Motor, auch der Gesamtzustand des Busses war aufgrund des hohen Alters von 23 Jahren extrem schlecht, eine Komplettsanierung unumgänglich. Da die finanziellen Mittel des Vereins für ein solches Projekt bei Weitem nicht ausreichten, beschränkte sich der OCM zunächst darauf, den Bus „am Leben“ zu erhalten. Beim OCM stand der Bus ständig im Trockenen und wurde regelmäßig bewegt und gewartet.

Erst im Jahr 2002 kam die entscheidende Wende: nach der Zusage des 1. Oldtimer-Club Erfurt e.V., den Bus teilweise mit ehrenamtlichen Kräften instand zu setzen, sowie dem Versprechen von Herrn Dr.-Ing. Konrad Auwärter, dem OCM für dieses Projekt ein Darlehen zu gewähren, konnte die Restaurierung begonnen werden. Mitte Dezember 2002 fuhr der älteste Gelenkbus Münchens – störungsfrei aus eigener Kraft! – aus der bayrischen in die thüringische Landeshauptstadt. Technisch wie optisch wurde der Gelenkbus dort fachmännisch und unter möglichst weitgehender Verwendung der Originalteile von Grund auf neu aufgebaut.

Im Frühjahr 2007 waren die Arbeiten weitgehend abgeschlossen, sodass eine Präsentation des Busses auf der renommierten Oldtimermesse „Retro Classics“ in Stuttgart möglich war. Anschließend kehrte der Bus in hervorragenden Zustand in seine Heimat zurück, die er 2002 schrottreif verlassen hatte. Nach einigen Präsentationen in München und seiner Teilnahme auf dem Omnibus-Oldtimertreffen in Fürth im September 2007 befindet sich der Bus seit Oktober 2007 als Ausstellungsstück im MVG-Museum.

Wir danken Herrn Dr.-Ing. Konrad Auwärter für die Herstellung der Kontakte sowie die finanzielle Unterstützung sowie ganz besonders den Kollegen vom „1. Oldtimer-Club Erfurt e.V.“. Außerdem danken wir der Göppel Bus GmbH für die geleistete Spende! Ohne diese Unterstützung wäre es dem OCM niemals möglich gewesen, dieses historisch einzigartige Fahrzeug zu restaurieren.

Nun sind noch einige Nacharbeiten nötig, die im Laufe der Zeit vom OCM durchgeführt werden. Dringend benötigt werden u.a. noch einige Tür- und Festergummi-Profile, die leider bisher nirgends erhältlich waren.

Noch ein kurzer Blick auf den Lebenslauf des Busses: Mit dem Verbot von Anhängern im Personenverkehr Mitte der 60er-Jahre waren die Verkehrsbetriebe gezwungen, sich nach Alternativen umzusehen. Die große Stunde des großräumigen Gelenkbusses war gekommen. Die ersten 7 Exemplare (Typ MAN / Göppel 760 UO2G) rollten 1962 durch München, ab 1963 – mit dem endgültigen Anhänger-Verbot – wurden größere Stückzahlen des moderneren Typs 890 UG beschafft. Während die 1963 gelieferten Fahrzeuge dieses Typs noch eine einfache Vordertüre hatten, wiesen die ab 1964/65 gebauten 890 UG der Münchner Stadtwerke vorne eine Doppeltüre auf.

Der OCM-Museumsbus mit der Wagen-Nummer 145 stammt aus der Beschaffungsserie von 1965 und war bis 1976 bei den Münchner Stadtwerken im Einsatz. Er war vermutlich im Betriebshof West in der Hans-Thonauer-Straße stationiert. Nach seiner Außerdienststellung versah er – in oranger Lackierung – seinen Dienst als Linien- und Schulbus in der Nähe von Marburg / Lahn.